Ausbildende freuen sich über motivierte Auszubildende. Für manche Azubis ist es jedoch nicht leicht, das gesunde Mittelmaß zu finden. Ausbildungsberater Peter Braune gibt Tipps zum Umgang mit übermotivierten Azubis.

Übermotivierte Auszubildende sind voller Energie und Begeisterung. Am liebsten erledigen sie mehrere Tätigkeiten zur gleichen Zeit und wollen bei jeder Gelegenheit und überall mitarbeiten. Zu ihren Merkmalen gehört der ausgeprägte Wille, immer Erfolg zu haben und anerkannt zu werden. Sie wollen jederzeit Fehler vermeiden und als unentbehrlich gelten.
Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass sie sich übernehmen und Wesentliches zu kurz kommt. Die Folgen können Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Schwindelanfälle sein. Durch diese Übermotivation können im Ausbildungsbetrieb natürlich auch Unfälle entstehen, wenn ein Zuviel an Motivation und Ehrgeiz zur Selbstüberschätzung, erhöhter Risikobereitschaft und Missachtung von Sicherheitsvorschriften führt. Sicherheitsvorschriften bleiben unbeachtet, und es wird überhastet gehandelt, um Tätigkeiten schneller zu erledigen.
Typische Folgen sind dann Stürze durch Eile, Verletzungen beim Missachten von Maschinen-Schutzeinrichtungen oder körperliche Schäden durch falsches Heben schwerer Lasten. Manchmal kommt es durch ihre Handlungen sogar zu Störungen im Betriebsablauf.
Übermotivierten Azubis fehlt es oft an Konzentration auf das Wesentliche
Die Übermotivation kann für Ausbilderinnen oder Ausbilder unter Umständen zu viel werden. Sie sollten auf jeden Fall versuchen, Schwerpunkte zu setzen und die Aktivitäten in richtige Bahnen lenken. Hilfreich ist auch, eine Aufgabe zu übertragen, die Selbstverantwortung erfordert. Es geht um die Vermittlung der Lernziele aus dem betrieblichen Ausbildungsplan und nicht um irgendwelche Tätigkeiten, die nichts damit zu tun haben.
Solche übermotivierte Auszubildende sollten dabei unterstützt werden, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und ihre ganze Kraft und Energie für die Ausbildung zu nutzen, ohne sich zu verzetteln. Lobenswerter Einsatz muss in die richtige Richtung gelenkt werden – er darf nicht zu gesundheitlichen Überlastungen führen. Ausbildende müssen in dieser Situation ihrer Gesundheitsfürsorgepflicht nachkommen. Regelmäßige Pausen tragen ebenfalls dazu bei und sind wichtig für den Lernerfolg.
Übermotivierte Azubis: Vorsicht, Überforderung droht
In vertraulichen Gesprächen sollten Ausbildungsverantwortliche versuchen, die Ursachen zu finden, um dann gemeinsam die nötigen Schritte zur Besserung zu erarbeiten. Die jungen Leute müssen wissen, wann eine Überforderung droht.
Kleine Lernerfolge sollten anerkannt werden, bevor es in die nächste Runde geht. Daher wird eine Berufsbildposition nach der anderen abgearbeitet. Unter Umständen hilft eine Veränderung im Zeitablauf des Ausbildungsplanes, ohne das Gesamtziel zu gefährden. Zu einer Ausbildung gehört es, Fehler machen zu dürfen und ein angemessenes Tempo einzuhalten, in dem die Tätigkeiten ausgeführt werden.
Motivation ist ein wichtiger Bestandteil der gesamten Ausbildungszeit, sie sollte durch entsprechende Lernbegleitung der Ausbilderinnen und Ausbilder gefördert und nicht zerstört werden.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.